113. Beitrag

Lange schon ist mein letzter Blogeintrag her. Mir fehlte einfach die Kraft um weiterzuschreiben. Mittlerweile geht es mir aber langsam besser, sodass ich mich hoffentlich wieder mehr meinem Blog widmen kann.

Aus der Tagesklinik habe ich sehr viel Schwung und Motivation mitgenommen. Mir hat es sehr gut getan zu spüren, was noch alles in mir steckt und was ich kann, wenn ich die Chance dazu bekomme. Wenn ich gefordert werde. Diesen Schwung habe ich genutzt und habe mir meinen Alltag zurückerobert; habe mir wieder eine Struktur erschaffen, die mir einen vernünftigen Tagesablauf ermöglicht. Aufstehen, Haushalt machen, wichtige Termine wahrnehmen, essen, … All das klappt mittlerweile wieder relativ gut. Zudem habe ich wieder zur progressiven Muskelentspannung zurückgefunden, die mir sehr dabei hilft, meine Anspannung in den Griff zu bekommen. Genauso wie lange Spaziergänge und Aufenthalte in der Natur. Auch die Bauchatmung hilft mir dabei, die häufig sehr hohe und starke Anspannung besser in den Griff zu bekommen.

Die letzten Monate waren leider durch eine extrem hohe Anspannung geprägt. So schlimm und stark habe ich es bisher bewusst noch nie erlebt… Ziemlich beängstigend und verstörend. Es brodelt sehr im Hintergrund… Mein Herz rast häufig. Besonders vor dem Einschlafen und beim Aufwachen. Wenn ich es nicht bewusst kontrollieren kann. Nachts, wenn ich tief und fest schlafe, fühlt es sich aber langsam und ruhig an. Manchmal drehe ich mich im Schlaf um und bin dann nur halb wach. Da merke ich aber, dass es ruhig und somit vollkommen in Ordnung ist. Ich bin momentan ziemlich gestresst, da ich so gerne wieder arbeiten würde. Die Tagesklinik hat mir ja gezeigt, dass ich es schaffen kann, wenn ich die Chance dazu bekomme. Vom Jobcenter aus bin ich jetzt in die Reha Abteilung gewechselt und habe Anfang August ein Infogespräch für eine 4-wöchige Maßnahme zur Belastungserprobung. Das löst diffuse Gefühle in mir aus, die zu einem ordentlich hohen Stresspegel und damit verbunden einer sehr hohen Anspannung führen. Einerseits wünsche ich mir nichts anderes, als wieder arbeiten zu gehen; andererseits weiß ich nicht, ob ich einer dauerhaften Belastung standhalten kann… Über Wochen, Monate, Jahre hinweg… Ob das richtig ist??? Ich weiß es nicht. Zum Glück ist es erstmal nur ein Infogespräch.

Ansonsten komme ich ganz langsam wieder dahin, meine aktuelle Situation wieder besser akzeptieren und annehmen zu können. Ich habe von der Depression her nun einfach die schwersten 1,5 Jahres meines Lebens hinter mir… Ein ständiger Tanz am Abgrund. Da kann ich jetzt nicht erwarten, dass wenige Monate später alles wieder wie am Schnürchen läuft und funktioniert. Und scheinbar erwarte ich es doch. Zumindest unterbewusst. Das gilt es jetzt zu händeln und mir die Realität immer wieder bewusst zu machen. Wo stehe ich wirklich und wo wäre ich gerne??? Eine riesengroße Diskrepanz… Das musst ich aber erstmal merken. Was ich von mir verlange und erwarte…. Da ist es vollkommen klar, dass der Stresspegel so hoch ist, dass ich die Auswirkungen am ganzen Körper spüre. Nacken- und Schulterverspannungen, Schwindel, Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen,…. Alles nicht feierlich… Und doch vorhanden.

Wie gut, dass ich es endlich verstanden habe, was wirklich schiefläuft! Mit zwei gebrochenen Beinen kann auch niemand einen Berg besteigen. Eine psychische Erkrankung ist, auch wenn man sie nicht sehen kann, eine große Einschränkung! Die kann man nicht mal eben so beseitigen. Da gilt es jeden Tag, behutsam mit sich selber umzugehen. Ich frage mich dann zum Beispiel selber immer, was heute möglich ist und was nicht. Kann ich Termine, die für den Tag anstehen, wahrnehmen oder nicht? Ist dies nicht der Fall, muss ich sie leider absagen. Oft merke ich schon abends kurz vorm Einschlafen, dass etwas zuviel ist; mich überfordert und stresst. Dann kann ich nämlich trotz Schlafmittel nicht einschlafen und meine Herz rast extrem. Die Gedanken halten mich wach… Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als nachts den Termin oder die Verabredung, die stresst und Druck macht, abzusagen. Erst dann finde ich zu meinem wohlverdienten Schlaf zurück. Das ist mir in letzter Zeit öfetr so ergangen. Letztendlich haben mich diese Nächte aber auch wieder stärker dafür sensibilisert, besser auf mich aufzupassen und mir nicht zuviel zuzumuten. Eher mal “nein” als” ja “. Nein zu den Stressfaktoren und ja zu mir. Ja zu meiner Gesundheit. Ja zu mehr Akzeptanz und Annahme mir selber gegenüber. Und letztendlich immer wieder ja zu meinem Leben.

Das werde ich jetzt weiter fortführen und wieder besser auf mich aufpassen. Annehmen was ist. Das wünsche ich euch auch.

Bis bald, eure Nina

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