100.Beitrag

Heute mal wieder ein neuer Beitrag von mir.

Wie haben die letzten Tage ausgesehen?? Hmmm… Grenzwertig. Mir ist der Baustellenlärm über den Kopf gewachsen und das Fass ist übergelaufen. Gott sein Dank in die richtige Richtung! Sprich: In die handlungs- und lösungsorientierte Richtung. Aber grade nur noch eben so… Davon wird dieser Beitrag handeln. Ich möchte gleich dazu sagen, dass ihr den Beitrag lieber nicht lesen solltet, wenn ihr nicht getriggert werden möchtet. Denn dazu würde es sehr wahrscheinlich kommen. Es ist auch ein etwas intensiverer und offenerer Beitrag als sonst- mit gutem Ausgang! Soviel kann ich vorweg nehmen. Es braucht sich auch keiner Sorgen zu machen. Ich weiß, wo ich im Notfall Hilfe bekomme. Diese würde ich bei Bedarf auch weiterhin in Anspruch nehmen. Okay, los geht`s…

Vor gut 10 Tagen sind hier auf der Baustelle nun endlich die Fenster und Türen ausgetauscht worden. Soweit sogut. Irgendwie bin ich danach davon ausgegangen, dass die Baustelle damit beendet ist und die Bäckerei nun eröffnet. Diese Annahme hat sich leider als komplett falsch herausgestellt…. Nach dem Austausch der Fenster haben die Bauarbeiter die Baustelle für mehrerer Tage kaum noch verlassen. Nur nachts war Ruhe. Das hat für mein lädiertes und gebeuteltes Nervenkostüm leider nicht mehr ausgereicht… Als der eine Bauarbeiter Sonntag früh auftauchte um weiterzuarbeiten, musste ich meinem Ärger Luft machen. Ansonsten wäre ich nämlich geplatzt!! Also bin ich runtergegangen und habe ihn zur Rede gestellt, warum sonntags auf der Baustelle gearbeitet wird. Ich musste auch gar nicht mehr laut werden… Der arme Kerl ist gleich zwei Schritte rückwärts gegangen als ich ankam und anfing, ihn zur Rede zu stellen. Dabei hätte ich ihm niemals etwas getan!! Nur mir selber… Und dass bereits schon Samstag Abend….Ich konnte dem Druck, mir den Arm aufzuschneiden, nicht mehr standhalten und habe nachgegeben… Nicht bis zum äußersten aber deutlich spürbar… Ich konnte einfach nicht mehr… Hatte keine Kraft mehr… Wusste nicht mehr weiter… Konnte meine permanent hohe Anspannung, nicht mehr aushalten… Alle neuen Strategien und Verhaltensweisen konnten nicht mehr greifen; haben mich nicht mehr erreicht. Ich habe wirklich gedacht, mein Körper platzt… Wie ein Luftballon, der zu stark aufgeblasen wurde..Es war einfach alles zuviel. Der Baulärm nicht mehr aushaltbar und erträglich…

Nachdem ich den Sonntag dann überwiegend draußen bzw. in meinem Auto verbracht habe, waren die Hendwerker gegen 20 Uhr dann auch verschwunden. Montag früh um 6 Uhr waren dann die nächsten Handwerker auf der Baustelle…. Nach einer fast schlaflosen Nacht war ich natürlich völlig am Ende; habe nur noch meine Koffer gepackt und bin zum Bahnhof gefahren. Meine letzte Hoffnung war das kleine Ferienhäuschen meines Vaters an der Nordsee. Da wollte ich hin. Mit dem Zug. Autofahren war zu dem Zeitpunkt völlig ausgeschlossen…. Da wäre ich sicherlich nicht mehr weit gekommen.. . Immerhin war ich noch so klar und handlungsfähig, das zu wissen. Ich habe mich am Bahnhof einfach nur auf die Steine gesetzt und gewartet, bis meine Anspannung runtergeht. Mir war von dem hohen Herzschlag kotzübel und schwindelig… So hätte ich es zuhause keine Sekunde mehr ausgehalten.. Deshalb bin ich dann zum Bahnhof, wo ich dann bemerkt habe, dass ich keinen Schlüssel für das Ferienhäuschen hatte und auch überhaupt nicht wusste, ob es überhaupt frei war… War es nämlich nicht sondern vermietet… Gott sein Dank gibt es noch ein zweites Häuschen, was zum Glück frei war!!! Meine absolute Rettung in letzter Sekunde!!!!! Nachdem ich mit meinem Vater telefoniert und mit ihm abgesprochen hatte, dass er mich am Bahnhof abholt und mich sogar noch mit dem Auto zum Häuschen an der Nordsee fährt, ist die ganze Anspannung und der Druck von mir abgefallen! Mein Herzschlag hat sich in sekundenschnelle normalisiert, Übelkeit und Schwindel sind verflogen und ich konnte wieder atmen…. Habe endlich wieder Luft bekommen!!!

Wir sind dann zusammen an die Nordsee gefahren und haben dort gemeinsam den Tag verbracht. Auf dem Weg habe ich mt jedem Meter, den wir uns von meiner Wohnung und dem Baustellenlärm entfernt haben, gespürt, wie die Anspannung immer weiter wich… Wie ich wieder zu mir gekommen bin… Mich langsam wieder spüren konnte… Überhaupt wieder etwas wahrnehmen konnte. Etwas anderes als Wut, Hass und Schmerz meine ich…Denn das habe ich durchaus gespürt, leider… Viel zu lange habe ich es ausgehalten… Bis zur Eskalation… Das war Montag, also vor 6 Tagen. Von Montag bis Donnerstag war ich an der Nordsee und konnte wieder zu mir kommen… Mich etwas erholen und wieder ein wenig hoffnungsvoller nach vorne blicken.

Am Donnerstag kam dann die Überraschungsnachricht schlechthin- überbracht durch meine Nachbarin: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war die Baustelle plötzlich fertig und der Bäcker hat eröffnet!!!!! Quasi über Nacht und ohne Vorankündigung!!! Ich habe im ersten Moment geglaubt, dass meine Nachbarin sich einen schlechten Scherz erlaubt so unerwartet kam die Nachricht. Zum Glück war es kein Scherz sondern die Wahrheit:-)! Somit konnte ich Donnerstag Abend wieder zurückkommen.

Zwei Tage später (also heute) ist die Freude über das Ende der Baustelle noch immer riesig!!! Auch, wenn es nach dieser langen Leidenszeit noch immer nicht in meinem ganzen Körper angekommen ist, dass es jetzt endlich vorbei ist… Was ich jetzt nämlich extrem spüre ist die völlige Erschöpfung… Ich komme kaum noch die Treppe runter- geschweige denn überhaupt wieder hinauf… Dafür fehlt jetzt vollends die Kraft. Nun geht gar nichts mehr, was mit Bewegung zutun hat. Ich bin viel zu müde und zu erschöpft, um überhaupt aufzustehen… An rausgehen ist überhaupt nicht mehr zu denken… Viel zu anstrengend. Ich kann kaum einen Fuß vor den anderen setzten… Kopfschmerzen machen sich breit… Und trotzdem ist das jetzt überhaupt nichts im Vergleich zu der Leidenszeit der letzten Monate!!! Dann bleibe ich eben liegen und gönne meinem Körper die soooo langersehnte Ruhe und Erholung!! Das ist vollkommen in Ordnung und total nachvollziehbar!!! Ich habe vollstes Verständnis für meine Situation und habe für die nächste Woche bereits alle Termine abgesagt. Zum Glück ist mein Gefrierfach voller Essen, sodass ich nur im Ausnahmefall rausmuss. Oder ich schicke meine Nachbarin und bitte sie, für mich einzukaufen, falls ich etwas brauche.

Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren der Psychotherapie, dann ist es, mir Hilfe zu holen und mich nicht mehr alleine um alles kümmern zu müssen!! Das hat zwar Jahre gedauert, bis ich es überhaupt begriffen habe, dass es auch mir zusteht, Hilfe zu holen aber es war von Erfolg gekrönt und funktioniert sogar in absoluten Ausnahmesituationen!! Gott sein Dank!

Nun werde ich wieder den Fernseher anmachen und mich auf dem Sofa einkuscheln, es mir gemütlich machen und eine Kopfschmerztablette nehmen. Ich schätze, dass ich in den nächsten Wochen (vielleicht auch Monaten) viel Zeit brauchen werde, um mich von der Leidenszeit und der absoluten Überforderungssituation zu erholen. Und trotzdem bin ich nach wie vor zuversichtlich, dass ich es schaffen werde:-). Zum Glück stehen keine weiteren Termine an, sodass ich mich nun voll und ganz auf meine Regeneration konzentrieren kann:-). Schreiben werde ich aber weiterhin! Das tut unheimlich gut und hilft mir sehr:-): Für heute ist es aber ausreichend;-). Bis bald,

eure Nina

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